Bericht – Jahrestreffen der Maximilian-Gesellschaft 2026 in Hamburg

Das Jahrestreffen 2026 der Maximilian-Gesellschaft fand Ende Mai in Hamburg statt – einer Stadt, mit der die Gesellschaft historisch eng verbunden ist.
Den Auftakt bildete am Donnerstag, dem 28. Mai 2026, ein Besuch der Hochschule für Bildende Künste (HfbK) am Lerchenfeld, der ehemaligen Landeskunstschule. Hier wirkten bedeutende Buchgestalter wie Kurt Londenberg, Richard von Sichowsky und Otto Rohse. Im Rahmen des Besuchs bot sich zudem die Gelegenheit, die sonst nicht öffentlich zugänglichen Druckwerkstätten zu besichtigen und Einblicke in die aktuelle Buchproduktion zu gewinnen.

Im Anschluss folgte ein Empfang im Auktionshaus von Christian Hesse. Anhand ausgewählter Beispiele gab Herr Hesse einen Einblick in die für Ende Mai angesetzte Auktion bedeutender Künstlerbücher aus der legendären Sammlung von Dr. Rolf Renker.

Am Freitagvormittag, dem 29. Mai 2026, wurden wir von Herrn Dr. Thomas Gilbhard im Museum für Kunst und Gewerbe empfangen. In seiner Einführung beleuchtete er die Geschichte sowie die Sammlungen des Hauses. Die Buchkunst zählt seit den Anfängen zu den zentralen Sammelgebieten, sodass sich im Verlauf von rund 150 Jahren eine umfangreiche und vielseitige Sammlung entwickelte – von der Inkunabel bis zum modernen Künstlerbuch mit Schwerpunkten auf kunsthandwerklicher Gestaltung, Dekor, Schrift, Typografie und Bucheinband.

Im beeindruckenden Spiegelsaal des MK&G folgte eine Reihe bibliophiler und buchkünstlerischer Vorträge, die Herr Dr. Gilbhard im Vorfeld sorgfältig ausgewählt hatte.
Zu Beginn sprach Prof. Dr. Dr. h.c. Walther Ludwig über vier frühe lateinische Drucke aus seiner Sammlung und erläuterte deren Besonderheiten hinsichtlich Illustration, Kolophon und Provenienz.

Dr. Wolfgang Schellmann, renommierter Forscher und Autor zum Thema Bibeldrucke, widmete sich der Vielfalt und insbesondere der hochwertigen Ausstattung von Bibeldrucken verschiedener Epochen. Er betonte die herausragende Bedeutung der von Stern’schen Druckerei in Lüneburg, die zu den wichtigsten Bibeldruckereien Europas ihrer Zeit zählt und für Bibliophile vor allem wegen ihrer prächtig illustrierten Lutherbibeln des 17. Jahrhunderts von besonderem Interesse ist.

Einen Einblick in die kreative Vielfalt der Einbandgestaltung von Carl Otto Czeschka gab Giesela Reschke. Da Czeschka nicht alle Werke signierte, ist bei einigen gezeigten Exemplaren die eindeutige Zuordnung noch nicht abschließend geklärt, wenngleich Gestaltung und Technik dafür sprechen.

Annekathrin Riedel präsentierte ausgewählte Einzelstücke zur Einbandgestaltung und Illustration aus der Sammlung des Hauses und verdeutlichte damit eindrucksvoll den Sammlungsschwerpunkt. Im Fokus standen insbesondere Arbeiten von Kurt Londenberg, einem der prägenden deutschen Einbandkünstler der Nachkriegszeit.
Abschließend gab Elke Rehder einen Werkbericht zu eigenen buch-künstlerischen Arbeiten. In ihrer Presse entstehen bibliophile Kostbarkeiten – darunter Pressendrucke, Mappenwerke und unikate Künstlerbücher in kleinsten, limitierten Auflagen.

Nach der Mittagspause bestand Gelegenheit zu einer Führung durch die Sammlungen des Museums. Besonders hervorzuheben ist die beeindruckende Sammlung historischer Musikinstrumente. Deren Kurator und Leiter, Olaf Kirsch, gewährte einen anschaulichen Einblick in die Cembali-Sammlung und machte mit musikalischen Beispielen deren klangliche und technische Entwicklung erlebbar. Ein Intermezzo mit Cembalo und Gesang von W.A. Mozart setzte dabei einen überraschenden und besonderen Akzent.

Den Abschluss der Führungen bildeten der Besuch der grafischen Sammlungen sowie der Werkstatt für Papierrestaurierung.

Am Nachmittag fand die Mitgliederversammlung statt. Das entsprechende Protokoll ist im Mitgliederbereich hinterlegt. (Link)

Der zweite Tag klang mit einem gemeinsamen Abendessen aus und bot Raum für Reflexion sowie weiterführende Gespräche.

Abschließend gilt unser besonderer Dank Herrn Dr. Thomas Gilbhard und seinem Team für die hervorragende Planung und Umsetzung dieses gelungenen Rahmenprogrammes.
(Link zur Programmübersicht)

Bericht & Fotos: Uwe Jentzsch